Meike Winnemuth – Das große Los

‚Das große Los‘ ist weder das Werk eines spanischen Autors noch befasst es sich näher mit Spanien. In der Spiegel Bestsellerliste wurde es als Sachbuch gehandelt. Ein Sachbuch über das Reisen. Der Bericht über eine Weltreise. Da sich viele Erfahrungen der Autorin mit den Meinen decken und das Buch auf sehr sympathische Art mit zahlreichen Lebensweisheiten gespickt ist, soll es in meinem Blog nicht unerwähnt bleiben. Und – zumindest der Stadt Barcelona wird ein Kapitel gewidmet.

Die deutsche Journalistin und Buchautorin Meike Winnemuth gewinnt in der Show ‚Wer wird Millionär‘ 500.000€ und nimmt dies zum Anlass, sich ein Jahr lang auf Weltreise zu begeben. Sie bereist insgesamt 12 Städte – jeden Monat eine neue (Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba, Havanna). In ihrem Buch berichtet sie in Briefform von ihren Begegnungen mit den Unterschiedlichen Kulturen und wie sie diese Begegnungen verändert haben. Nein, sie drückt es viel besser aus: Hat mich die Reise verändert? Ich glaube nicht. Sie hat nur das aus mir herausgeholt, was schon immer da war. Nicht ich habe die Reise gemacht, die Reise hat mich gemacht.

Ausgewählte Zitate:

‚Ich fühlte mich wie ein Zootier, das in der Savanne ausgewildert werden soll und sich aus Furcht vor der Freiheit nicht aus der Transportkiste traut.‘

‚Jedem Anfang wohnt ein Zaudern inne…Doch auch jeder zauderhafte Anfang hat ein Ende…‘

‚Früher habe ich immer geglaubt, dass die Entscheidung für etwas eine Entscheidung gegen alle anderen Optionen ist. Nicht notwendigerweise, stelle ich inzwischen fest. Ich kann reisen und arbeiten, ich kann woanders sein und dank Skype und E-Mails trotzdem Kontakt zu meinem alten Leben halten. Ich stelle fest: Es ist gar nicht so schwer, alles unter einen Hut zu bekommen.‘

‚Freiheit ist erstmal eine Zumutung, niemand von uns hat gelernt, wie das geht. Wenn einem niemand die Entscheidung abnimmt, womit der Tag zu füllen ist – kein Boss, keine Familie, keine Institution -, und man völlig ohne Strukturen lebt, ist das ebenso berauschend wie beunruhigend. Man muss regelrecht trainieren, freihändig zu gehen. Denn man verlässt mit dem einheimischen Gehege eben auch die stabilen Geländer, an denen man sich immer entlanggehangelt hat.‘

‚Wie das geht, einen ganzen Monat einfach so zu vertrödeln? … Wir haben uns einfach nur nie getraut, das auszuprobieren. … Vielleicht wollen wir … – nur Mal so als böser Verdacht – mit unserer ganzen Betriebsamkeit darüber hinwegtäuschen, dass sich dieser Tanz um eine verdammt leere Mitte dreht.‘

‚Das Jahr ist, wenn du so willst, ein chemisches Experiment: Ich tauche mich selbst in unterschiedliche Reagenzgläser ein und beobachte, was mit mir geschieht. Würde ich mich auflösen, Blasen schlagen, explodieren, trüb werden? Wie verändern mich meine Erlebnisse, in was bestärken sie mich, worin werde ich verunsichert, worin erschüttert?‘

‚…und sich dabei Sachen zu erzählen, die man sonst einfach nicht erzählt. Es war einmal mehr das Fremde-im-Zug-Prinzip, das mir schon öfter in diesem Jahr begegnet ist: Wildfremden vertraut man sich oft rückhaltloser an als selbst engsten Freunden – es hat ja keine Konsequenzen, man sieht sich in der Regel nie wieder.‘

‚Wie geht es weiter mit mir nach diesem Jahr?…mir wird immer klarer: einfach so zurück ins alte Leben, das geht nicht mehr. Das Wegsein verändert mich. Nicht fundamental, das nicht, aber es räumt auf in meinem Leben. Es sortiert mich. Umzüge haben eine ähnliche Wirkung: Man nimmt alles einmal in die Hand, überlegt, ob man damit weiterleben will, wirft die Hälfte weg und packt den Rest in die Kisten. Also: Was will ich beibehalten, was möchte ich verändern?‘

‚Oft sind gerade solche stillen Tage, an denen gar nichts Besonderes zu passieren scheint, die wichtigsten…Die Sporttrainingslehre sagt: Muskeln wachsen an Ruhetagen. Gerade an solchen tauben, vertrödelten Tagen sickert die Reise an irgendeine geheime Stelle meiner Eingeweide. Dahin, wo Sinn entsteht.‘

‚Ich möchte Sie bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.‘ (Zitat Rilke)

‚Ich bin so randvoll mit Erlebnissen, dass einfach nichts mehr reinpasst. Das muss alles erstmal ein bisschen sacken. Ein bisschen kompostieren.‘

‚Ich hätte das Geld von ‚Wer wird Millionär‘ gar nicht gebraucht…Es war mein bisher allergrößtes Aha-Erlebnis und hoffentlich eine Lehre fürs Leben: Es ist immer viel mehr möglich, als man in seiner Betriebsblindheit für denkbar hält.‘

‚Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind.‘ (Zitat Anais Nin)

‚ „Auf Reisen gleichen wir einem Film, der belichtet wird“, schreibt Max Frisch. „Entwickeln wird ihn die Erinnerung.“ ‚

 

 

 

 

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