Mut

Was ist eigentlich Mut?

Ich denke, unsere Lebensaufgabe, also die wichtigste Aufgabe, die wir in unserem Leben verfolgen sollten, erfordert gleichzeitig den größten Mut:

Dir selbst ins Gesicht zu sehen. Und zwar wirklich! Nicht, um zu sehen, was du sehen willst, sondern um dich wahrzunehmen mit allem, was dazugehört. Allen Ängsten, aller Verzweiflung, aller Wut, die du in dir trägst. Und gleichzeitig allem Potential, aller Liebe, allem Schönen und Guten. Vielen Menschen verlangt es sogar viel mehr ab, diese positiven Seiten an sich zu sehen. Es ist die Angst davor, alles zu geben und einfach toll zu sein in dem, was man tut. Angst als Schutzmantel vor Fehlern und vor Ablehnung. Lieber weiter im alten Trott bleiben und zweifeln, da ist man auf der sicheren Seite.

Sich ohne diesen Schutzmantel zu betrachten ist viel verlangt und den meisten Menschen wird es nie gelingen. Vermutlich sogar niemandem. Aber es kann ein Ziel sein. Ein langer Prozess mit einem Ziel, das nur erreichbar wird durch Erfahrungen verschiedenster Art. Wer keine Erfahrungen macht, kann sich nicht entwickeln. Diese Erfahrungen können von innerer oder äußerer Natur sein. Sie können also im realen Leben, aber auch in deiner Gedankenwelt stattfinden.

Sicherlich ist das Reisen eine gute Möglichkeit der äußeren Erfahrungen, um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Denn es lässt dich einen objektivieren Blick auf die Dinge werfen.

Jeder Mensch hat Vorurteile. Festgefahrene Meinungen, die man sich bildet über etwas, das einem nicht vertraut ist. Berufe, Länder, Kulturen, Menschen,…nicht Vertrautes macht Angst. Je mehr du kennenlernst aus dieser fremden Welt, desto relativer kannst du die Dinge betrachten. Und du kannst dir ein Urteil bilden, ohne -vor. Doch dieses Urteil sollte immer flexibel bleiben, denn du kannst nie alles wissen, das ist sicher. Die Gottesperspektive wird nicht ohne Grund so genannt.

Offen und ohne Vorurteile an etwas Neues, Unbekanntes, heranzugehen, kann Verletzungen verursachen. Doch diese Offenheit ist wichtig. Vorurteile machen dich taub. Aber sie schützen auch. Verursachen vielleicht sogar ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Überlegenheit. Deshalb gehört zur Offenheit ein dickes Fell. Und ja, Offenheit kostet Mut. 

Offen sein bedeutet mutig sein. Offenheit anderen gegenüber und damit gleichzeitig gegenüber dir selbst. Sie bringt dich definitiv weiter vorm Spiegel. Verschließt du dich der Welt, verschließt du dich vor dir selbst. Hier regiert dann die Angst.

„Man baut eine Mauer auf, um sich vor der Außenwelt zu schützen, und am Ende stellt man fest, dass man darin eingeschlossen ist…“

(Zitat: Marcelo Figueras, Kamtschatka)

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dao Humanyu sagt:

    Mut dazu, durch das Taiji-Prinzip das Ganze zu erkennen, gemäss meinem Motto:
    Shunyata – Tathata – Tat tvam asi

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      1. Dao Humanyu sagt:

        Taiji:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Taiji_%28chinesische_Philosophie%29
        Die Einleitung und den Abschnitt über Daoismus.

        Shunyata:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Shunyata
        Die Einleitung und den Abschnitt über den Leerheitsbegriff.

        Tathata:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Tathata
        Die ersten drei Absätze.

        Tat tvam asi:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Tat_Tvam_Asi
        Der erste Absatz.

        Der Rest sind historische Entwicklungen und andere, oder weitere Interpretationen.
        Ich liebe jedoch Aussagen in ihrer reinen Form und interpretiere diese für mich selbst,
        da ich selbst für mich denken kann und niemanden brauche um das Wesen einer Sache für mich zu interpretieren.

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      2. Anne Leohold sagt:

        Danke 🙂 kannte die Begrifflichkeiten gar nicht.

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      3. Dao Humanyu sagt:

        Gern geschehen. Für mich sind das lebenswerte fundamentale Grundgedanken.

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      4. Anne Leohold sagt:

        Genau wie für mich. Und da es Grundgedanken sind, tauchen sie an verschiedenen Stellen unter verschiedenen Namen auf.

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